AGR: Was hat Sie motiviert, die Ausbildung zur Expertin für Ergonomie und Rückengesundheit zu starten?
Meike Schögin: Motiviert hat mich meine wieder aufgenommene Tätigkeit als Rückenschullehrerin nach erneuter Ausbildung 2011. Daraufhin sah ich in meinen ersten Kursen zwar die Verbesserung des Rückenverhaltens in der Übungsstunde, jedoch gaben die Teilnehmer keine wirkliche Veränderung ihrer Schmerzsymptomatik an. In deren Umfeld, sprich Arbeitsstätte, zu Hause oder im Beruf blieb die gleiche Situation. "Welche Veränderungen sind zusätzlich nötig, ist das Hausaufgabenprogramm ausreichend?", fragte ich mich. Um diese Fragen zu beantworten, kam der Zeitpunkt für die Ausbildung zur Expertin für Ergonomie und Rückengesundheit, die 2012 folgte, genau richtig!
AGR: Welche Themen fanden Sie besonders spannend, interessant, praxisnah?
Meike Schögin: Besonders spannend fand ich den psychologischen Aspekt in der Rückenverhaltenstherapie. Nach meinen Erfahrungen in der Rückenschule und auch in der physiotherapeutischen Behandlung von Rückenpatienten in der Praxis, wird dieser Aspekt weiterhin einen bedeutenden Stellenwert einnehmen.
Die Vielzahl der Möglichkeiten, rückenfreundliches Verhalten zu erlernen, habe ich als interessant und praxisnah empfunden. Unterschiedliche didaktische Möglichkeiten, das Rückenverhalten praktisch zu vermitteln, sah ich als Bereicherung. Besonders die „Siggis“ für Tipps und Empfehlung mit ihrem kreativen Inhalt gaben eine Vielfalt von Ideen, einen Kundenkreis anzusprechen. Spontan fällt mir dazu die Aktion Schulranzen ein, wobei Kind und Eltern schon beim Kauf auf die Wichtigkeit einer ergonomischen Passform des Schulranzens hingewiesen werden. Ebenso gefällt mir der Brummicheck-Türaufhänger, dessen humorvolle Karikatur und die bekannte Wortwahl, sowie die praktische Anbringung des Aufhängers ein wichtiger Schritt auf dem Weg in die Nachhaltigkeit ist.
AGR: Wie können Sie Ihr Wissen im beruflichen Alltag anwenden und für wen?
Meike Schögin: Mein Wissen kann ich als Physiotherapeut in der Physiotherapiepraxis in jede Rückenkrankengymnastik einfließen lassen: Beginnend mit einer kleinen Hausaufgabe, je nach Beschwerdesymptomatik passend, dem Besprechen rückenfreundlichen Verhaltens bereits zu Anfang der Therapie bis hin zu den Verhältnissen, z. B. Arbeitsplatz, in dem sich der Patient häufig befindet. Versuche, den Patienten dort aufzusuchen, um ihn dort anzuleiten. Anleitungen und Tipps für ein kleines Training bekommt er bereits in der Behandlung. Auch in meinen Rückenschuleinheiten bietet die Verhältnisprävention einen festen Bestandteil. So werden neben dem Haushaltstraining, der Büroarbeitsplatz und das Auto besprochen und vor Ort geübt.
AGR: Wie reagieren Ihre Kunden auf die „Extraportion“ Ergonomie?
Meike Schögin: Überaus positiv! In der Rückenschule war die Mitarbeit zum Thema Haushalt anhand persönlicher Haushaltsgeräte großartig und amüsant zudem. Viele Tipps konnten gegenseitig ausgetauscht werden. Die „Extraportion“ Auto und Büroarbeitsplatz war sowohl für die berufliche als auch für die private Situation informativ und wurde dankbar aufgenommen. Ich fühlte bei den Teilnehmern ein gewisses Ankommen, dort ihr persönliches Rückenproblem mit angesprochen zu haben. Auch die Praxispatienten fühlen sich damit deutlicher wahrgenommen, das ganzheitliche Rundumdenken ergab überaus positive Rückmeldungen!
AGR: Was hat sich für Sie nach der Ausbildung geändert – welche Entscheidungen haben Sie für sich getroffen?
Meike Schögin: Geändert hat sich die Sichtweise zu der Rückenproblematik der Menschen. Ich kann als Physiotherapeut nicht den gesamten Menschen in seiner Statik ändern! Dagegen kann ich dazu beitragen, über das Bewusstmachen und Zeigen von Möglichkeiten, das Rückenverhalten und Verhältnis für einen gesunden Rücken zu ändern, um das Beschwerdebild zu verbessern und vielleicht sogar zu beheben. Damit möchte ich weiter am Ball bleiben und sehe auch in der Zunahme der bewegungswilligen Menschen in meiner Reha-Sportgruppe Rücken in unserem Fitnessstudio vor Ort, die deutlich ansteigende Zahl der Teilnehmer. Ich denke, es ist der richtige Weg!
AGR: Was könnte die AGR verbessern?
Meike Schögin: Der Rücken wird zunehmend mit den psychischen und physischen Problemen belastet, egal in welchem Alter. Deshalb sind viele kreative „Rückenköpfe“ gefragt. Vielleicht könnte die AGR individuell zugeschnittene Angebote für Firmen, Schulen, Kindergärten machen. Diese Schulungen könnten dann direkt vor Ort stattfinden. Da der Rücken einer ganzheitlichen Sichtweise bedarf, sollten möglichst viele „Ohren“ unterschiedlicher Berufsgruppen geöffnet werden. Auch gerade in den Schulen und Kindergärten zeigt sich nach meinen Erfahrungen ein deutlich ansteigendes Rückenproblem. Je früher dort die Aufklärung beginnt, desto nachhaltiger kann der Präventionserfolg sein.