Warum ist übermäßige Schonung bei Rückenschmerzen oft kontraproduktiv?
Unsere Wirbelsäule ist ein „mechanisch instabiles System“, das auf muskuläre Sicherung angewiesen ist. Passivität kann Muskelabbau begünstigen und den Teufelskreis aus Schmerz und Verspannung verstärken.
Es ist eine beängstigende Vorstellung: Da zwickt es im Rücken und der erste Impuls ist oft: „Vorsicht! Bloß nicht bewegen.“ Physiotherapeut Christian Terstappen ordnet diesen Schutzreflex im Interview fachlich ein. Er beschreibt die Wirbelsäule als ein System, das ohne die aktive Sicherung durch Muskeln, Bänder und Faszien instabil wäre.
Wer aus Sorge vor Beschwerden dauerhaft in eine Schonhaltung flüchtet, riskiert, dem Körper genau diese wichtige Stütze zu entziehen. Das physiologische Prinzip „Use it or lose it“ (Nutze es oder verliere es) greift auch hier: Werden die feinen, tief liegenden Muskeln an der Wirbelsäule nicht regelmäßig gefordert, können sie an Kraft und Ansteuerungsfähigkeit verlieren. Das Ergebnis ist oft frustrierend: Die Steifigkeit kann zunehmen, die Sensibilität für Schmerz steigen. „Rück’n’Roll“ steht deshalb für den Mut, dem Körper wieder mehr zuzutrauen und ihn durch körperliche Aktivität und regelmäßige Bewegung widerstandsfähiger zu machen.
Welchen Einfluss können Stress und Psyche auf den Rücken haben?
Nach dem biopsychosozialen Modell können sich psychischer Druck und Unzufriedenheit als muskuläre Anspannung manifestieren und Rückenbeschwerden begünstigen.
Fühlst du dich manchmal, als würdest du eine unsichtbare Last auf den Schultern tragen? Peter Buntfuß-Duschek bestätigt im Podcast, dass dieses Gefühl oft einen realen physiologischen Hintergrund hat. Unser Rücken reagiert häufig sensibel auf unsere mentale Verfassung. Wer unter Strom steht, zieht oft unbewusst die Schultern hoch oder spannt die Rückenmuskulatur an.
Hier zeigt das Interview einen spannenden Lösungsansatz auf: Der Weg zu mehr Wohlbefinden führt nicht zwingend über noch mehr Disziplin und strenge Trainingspläne, die zusätzlichen Stress erzeugen. Ein wichtiger Schlüssel kann die Freude sein. Wer Bewegung nicht als Pflichtübung, sondern als Ausgleich begreift, bleibt eher am Ball. Ob Tanzen im Wohnzimmer, eine Runde Badminton mit Freunden oder das entspannte „gesunde Grillen“ in Gemeinschaft – positive Erlebnisse können helfen, nicht nur mentale, sondern auch muskuläre Anspannung zu regulieren. Das ist der Kern eines ganzheitlichen Ansatzes.
Garantiert ein höhenverstellbarer Schreibtisch allein ein gesundes Büro?
Ergonomische Möbel sind wichtige „Möglichmacher“ im Büro, entfalten ihre Wirkung aber erst durch das Verhalten des Nutzers, der die Haltungswechsel auch tatsächlich vollzieht.
Wir kennen das Szenario: Der hochwertige, ergonomische Tisch steht im Büro und wird dennoch acht Stunden lang nur im Sitzen genutzt. Detlef Detjen von der AGR stellt im Gespräch klar: Ein Möbelstück allein kann keine Rückenschmerzen wegzaubern. Es schafft lediglich die Voraussetzungen für gesundes Arbeiten.