Rückenwelt

Diese stellen auch die Mitglieder der interdisziplinären Prüfkommission. Für Hersteller, die das Gütesiegel verliehen bekommen, geht die Verantwortung weit über die eigentliche Auszeichnung hinaus: Sie schließen einen Nutzungsvertrag ab, der genau festlegt, unter welchen Bedingungen sie das Gütesiegel verwenden dürfen. „Darin ist festgehalten, dass uns sämtliche Änderungen gemeldet und die Produkte dann eventuell erneut geprüft werden müssen”, sagt Martin Vierl. Damit sind beispielsweise Abwandlungen am Produkt oder seiner Ergonomie gemeint oder veränderte medizinische Erkenntnisse, die womöglich Grundlage für die Prüfung waren. Kriterium für Fachleute Das Gütesiegel ist jedoch nicht nur eine wichtige Orientierungshilfe für die Käufer, sondern auch für die Produktwahl von Therapeuten und Ärzten. Da die Experten der Prüfkommission aus medizinischen Fachverbänden stammen, zählt ihr Urteil als fachlich fundierte Empfehlung, die die Spezialisten gerne an ihre Patienten weitergeben. Hinzu kommt die Signalwirkung an die Industrie: Hersteller können ihre Produkte aus allen Bereichen des täglichen Lebens und Arbeitens aufwerten und mit dem Gütesiegel ein relevantes Unterscheidungskriterium zur Konkurrenz bieten. Das spornt an und setzt Impulse in ganz unterschiedlichen Branchen. Denn die Aktion Gesunder Rücken ist Anlaufstelle Nummer eins für alle Fragen rund um rückengerechte Produkte. AGR-Gütesiegel Ob ein Produkt rückenfreundlich ist, überprüft ein unabhängiges Gremium aus Ärzten und Therapeuten von zwei medizinischen Fachverbänden (Forum Gesunder Rücken - besser leben e. V. und Bundesverband deutscher Rückenschulen e. V.). Diese medizinisch multidisziplinäre Vorgehensweise überzeugte auch die Zeitschrift ÖKO-TEST, die ein „sehr gut“ vergab, sowie das Portal „Label-online“ des Bundesverbandes „Die Verbraucherinitiative e. V.“, die das Gütesiegel mit „besonders empfehlenswert“ auszeichnete. Das AGR-Gütesiegel wurde 2022 zudem als EU Gewährleistungsmarke ausgezeichnet. Drei Fragen an … Martin Vierl, Experte der Prüfkommission und Chefarzt der orthopädischen Rehaklinik Sonnhalde in Donaueschingen Was ist Ihre Aufgabe in der Prüfkommission? Als Chefarzt kenne ich die ergonomischen Bedürfnisse der arbeitenden Bevölkerung: Rückenschmerzen und Arbeitsplatzprobleme wie Zwangshaltungen und monotone repetitive Belastungen sind Themen, die unsere Patienten beschäftigen. Somit kann ich den ergonomischen Nutzen eines Produktes gut beurteilen. Ich bringe meine fachliche Kompetenz aus 30 Berufsjahren in der operativen und konservativen Orthopädie ein. Welches Prüfkriterium ist aus Ihrer Sicht das Wichtigste? Ich finde es herausfordernd herauszufinden, ob der Käufer eines Produkts mit AGR-Gütesiegel gesundheitlich profitiert. Hier brauchen wir gute Belege wie etwa wissenschaftlich konzipierte Studien. Denn die Aktion Gesunder Rücken und ihr Gütesiegel stehen für eine stabile Qualitätsstufe, die wir erhalten wollen. Ich persönlich kenne das Gütesiegel seit einem RückenschullehrerSeminar vor vielen Jahren – und bin immer wieder fasziniert von der Vielfalt der Produkte: von der Babytrage über Büromöbel bis hin zur Asphaltwalze. Können Hersteller ihre Produkte nacharbeiten? Ja, gefreut hat mich zum Beispiel die Wiedervorstellung eines Bürostuhles, dem wir im Vorjahr wegen eines Materialbruchs bei der Prüfung kein Zertifikat erteilen konnten. Meine Hinweise zur Verbesserung wurden aufgenommen und umgesetzt. Bei der erneuten Prüfung ging alles glatt. AGR 9 71 % der Orthopäden empfehlen bevorzugt Produkte mit AGR-Gütesiegel. Das belegt das Rücken-Konsilium, eine groß angelegte Befragung zum Thema Rückenschmerzen unter rund 1.000 Orthopäden in Deutschland.

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ2Mzcy