Rückenwelt

Gesundheit 15 In voller Länge Das ganze Interview gibt es auf unserer Webseite! Schutzfaktor: Bewegung Dr. phil. Heike Juliane Streicher weiß, dass körperlich-sportliche Aktivität bei der Genesung und Prävention vieler Krankheiten helfen kann. Im Interview gibt die Sportwissenschaftlerin Einblicke in den Bereich der Sporttherapie. Frau Dr. Streicher, was kann man sich unter Sporttherapie vorstellen? Streicher: Sporttherapie ist eine Form der Bewegungstherapie. Ihr Ansatz geht über ein simples Trainingskonzept hinaus und zielt auf eine ganzheitliche Sichtweise in Verbindung von Medizin, Rehabilitation und Sportwissenschaft. Das Vorgehen wird als mehrdimensional bezeichnet, da es zum einen funktionale, psychosoziale, zum anderen aber auch pädagogische Ziele verfolgt. Erst das Zusammenspiel dieser Dimensionen führt zu einer therapeutischen Wirkung. Ebenso dient die Sporttherapie der Verbesserung der Funktionen des muskuloskelettalen Systems, weshalb maßgeblich die motorischen Grundeigenschaften Kraft, Koordination, Ausdauer und Beweglichkeit gut dosiert angesprochen werden. Worin besteht das Kernziel? Streicher: Es werden therapeutische Maßnahmen zur gesundheitsorientierten Prävention und Rehabilitation verfolgt. Insgesamt besteht das Kernziel darin, dass der Mensch eine Motivation erreicht, lebensbegleitend Sport zu treiben oder zumindest vermehrt körperlich aktiv zu sein. Damit geht parallel eine Lebensstiländerung einher, die den Menschen Kompetenzen erreichen lässt, um eigenständig und selbstgesteuert Bewegung und Sport ausüben zu können. Gibt es einen Unterschied zwischen Sport- und Physiotherapie? Streicher: Die Trennschärfe ist sehr gering. Physiotherapeuten behandeln vordergründig in einem 1:1 Verhältnis mit den Patienten, während Sporttherapeuten Übungen und Bewegungselemente häufig auch in Gruppen anleiten. In der Physiotherapie geht es um die Mobilisierung und Stabilisierung von Gelenksystemen. Dabei werden Bewegungsübungen aus speziellen Therapieformen (z. B. Manuelle Therapie, Lymphdrainage usw.), oder Massageformen, aber auch physikalische An- wendungen (z. B. Elektrotherapie) verwendet. Die Konzentration liegt stark auf den physischen Symptomen, wohingegen die Sporttherapie Sport und Bewegung auch als Mittel zur Beeinflussung psychischer und sozialer Komponenten nutzt. Was sind die Trainingsmethoden? Streicher: Da wird sich den verschiedensten Sportarten bedient. Einige Beispiele sind: Es gibt die sogenannte Fahrradergometrie – ein Test- und Trainingsverfahren zur Beurteilung der Herz-Kreislauf-Tätigkeit, teilweise unter Überwachung von EKG und Blutdruck. Nach orthopädischen Indikationen wird meist auf ein gerätegestütztes Training (medizinische Trainingstherapie) gesetzt, das insbesondere die Kraftfähigkeiten verbessern soll. Bei der Wassertherapie nutzt man die physikalischen Eigenschaften des Wassers (u. a. Auftrieb, Gewichtsreduzierung), um die jeweiligen Gelenkfunktionen zu beeinflussen. Doch es kann auch in den Bereich der Entspannungsverfahren gehen, bei dem die Betroffenen mittels mental-, körper- oder atemzentrierter Zugänge spezielle Methoden erlernen. Immer öfter kommen auch die Outdoor Bewegungsmaßnahmen – verbunden mit einem Naturerleben zur Anwendung. || Dr. phil. Heike Juliane Streicher, Expertin für bewegungsbezogene Gesundheitsförderung an der Universität Leipzig. „Rücken- gesundheit heißt für mich: Bewegung! Meinen Alltag zu versportlichen! Das fängt bereits im Kleinen Zuhause an.“

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