Rückenwelt

Unterwegs 19 Auf dem Lenkrad ist es zehn vor zwei. Wer im Auto sitzt, kennt diese Position der Hände noch aus der Fahrschule, denn so beherrscht man sein Fahrzeug am sichersten. Doch wie steht es um den Rest des Körpers? Wer mit vorgebeugtem Oberkörper hinter seinem Steuer klemmt, wird nach einiger Zeit über Nacken- und Kopfschmerzen klagen. Wer lässig und krumm vor dem Lenkrad abhängt, riskiert Verspannungen im Lenden- und Beckenbereich. Fakt ist: Das Sitzen im Auto wird auf Dauer unbequem. „Mediziner sagen sogar, es ist die schlimmste Form des Sitzens überhaupt”, so Detlef Detjen, Geschäftsführer der Aktion Gesunder Rücken e.V. „Das liegt vor allem daran, dass ein Autositz kaum Bewegungen und Positionswechsel zulässt. Der Fahrer verharrt auch aus Sicherheitsgründen in einer gewissen Zwangshaltung – und das auf langen Strecken über mehrere Stunden.” Das kennen Berufsfahrer ebenso wie Familien, die lange Urlaubsreisen mit dem Fahrzeug unternehmen. Wer viel fährt, sollte auf einen möglichst rückenfreundlichen Autositz Wert legen. Beim Sitzen im Auto steht die Sicherheit im Fokus. Gleichzeitig braucht es Ergonomie, denn sitzt der Fahrer dauerhaft unbequem, geht das auch auf Kosten der Sicherheit”, erklärt Detjen. „Es braucht einen gewissen Spielraum für Bewegung, damit der Fahrer entspannt und aufrecht sitzen kann.” Der Autositz passt sich dem Rücken an – nicht umgekehrt Generell empfiehlt die Aktion Gesunder Rücken: „Die Sitzposition sollte so hoch wie möglich sein. Zudem sollte bei einer wirbelsäulengerechten Rückenlehne von der Seite eine leichte S-Form erkennbar sein. Die Kopfstütze sollte mit der Oberseite des Kopfes abschließen – und die Höhe der Rückenlehne mit der Schulterhöhe”, sagt Detjen. Besonders wichtig für den oberen Beckenkamm ist die 4-Wege-Lordosenstütze (verstellbar nach oben/unten bzw. vorne/ hinten). Und wenn zwischen Kniekehle und Sitz noch zwei bis drei Finger passen, stimmt auch die Länge der Sitzfläche. „Generell haben sich Autositze im Lauf der Jahre sehr verbessert, was Ergonomie und individuelle Einstellung betrifft. Neuere Fahrzeuge sind zum Beispiel auch mit einer Memoryfunktion ausgestattet”, erläutert der Rücken-Experte. „Das bedeutet, die individuelle Position lässt sich speichern und ist auf Knopfdruck wieder einstellbar.” Sich rüsten statt einrosten Wer ein älteres Fahrzeug besitzt, für den gibt es ergonomische Nachrüstsitze. Diese lassen sich in fast alle Modelle einbauen – und lassen sich im Falle eines neuen Autos sogar mitnehmen. Ein großes Spektrum an zertifizierten Produkten findet sich dazu auf der Webseite der Aktion Gesunder Rücken. Positiv bewertet Detjen zudem Aktivierungssysteme wie zum Beispiel Massagematten: „Nachträglich befestigt, helfen diese mit Luftkammern ausgestatteten Matten, Verspannungen und Schmerzen zu vermeiden, weil sie die Durchblutung von Muskeln und Bindegewebe fördern”, erklärt er. Dennoch sollten Autofahrer auch Bewegungspausen einlegen: „Sich die Beine vertreten, den Körper lockern oder ein paar gymnastische Übungen auf dem Rastplatz machen der ganzen Familie Spaß und sind Balsam für den Rücken”, sagt Detjen. Schmerzfrei radeln Wer dagegen mit dem Rad unterwegs ist, muss sich über Kreislauf und Durchblutung keine Gedanken machen. Aber auch hier lauern Risiken für Rückenprobleme. Wer längere Strecken radelt, eine angeschlagene Wirbelsäule hat und auf einem schlecht gefederten Sattel hockt, den schmerzt früher oder später der Rücken. „Das Problem verschärft sich, wenn das Fahrrad nicht zum Fahrer passt. Die ergonomische Einstellung spielt eine große Rolle”, sagt Detjen. „Ein guter Fahrradhändler analysiert bestmöglich, was sein Kunde braucht. Das Modell sollte individuell angepasst sein – also Sattel, Lenker und Pedale, die das sogenannte Ergonomische Dreieck bilden. Ansonsten kann eine Fitting Box helfen. Diese enthält Schablonen, Das Sitzen im Auto ist für unseren Rücken die schlimmste Form des Sitzens – vor allem auf Langstrecken. Deshalb kommt es auf das richtige Interieur an.

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