Neues aus der Verhältnisprävention 40 AGR aktuell 2026/75 | Aktion Gesunder Rücken e. V. Ataxie äußert sich häufig durch einen unsicheren Gang, Zittern bei Zielbewegungen oder Probleme mit dem Gleichgewicht. Sarkopenie wiederum führt dazu, dass Muskeln schwächer werden, Reaktionszeiten sich verlängern und alltägliche Belastungen schneller ermüden. Treffen beide Faktoren zusammen, steigt das Sturzrisiko deutlich – mit oft gravierenden Folgen für Gesundheit und Lebensqualität. Lange Zeit wurden diese Probleme getrennt betrachtet: Hier Koordinationstraining, dort Muskel- aufbau. Heute weiß man, dass genau diese Trennung ein Fehler ist. Bewegung ist mehr als Muskelarbeit Bewegung entsteht im Zusammenspiel von Muskeln, Nervensystem und Sinneswahrnehmung. Genau hier setzt die Sensomotorikschulung an. Sie trainiert die Fähigkeit des Körpers, Reize aus Gelenken, Muskeln, Gleichgewichtsorganen und der Haut wahrzunehmen, zu verarbeiten und in gezielte Bewegungen umzusetzen. Für Menschen mit Ataxie bedeutet das: Bewegungen werden wieder „lesbarer“. Schritte werden bewusster gesetzt, Greifbewegungen kontrollierter, der Körper insgesamt besser steuerbar. Krafttraining wiederum bildet die notwendige Basis. Ohne ausreichende Muskelkraft lassen sich selbst gut geplante Bewegungen nicht sicher ausführen. Gerade bei Sarkopenie ist der gezielte Kraftaufbau entscheidend, um Mobilität zu erhalten, Aufstehen zu erleichtern und Ermüdung zu reduzieren. Studien zeigen, dass auch hochbetagte Menschen noch Kraft aufbauen können – vorausgesetzt, das Training ist angepasst und regelmäßig. Warum die Kombination so wirksam ist Die größte Wirkung entfaltet sich, wenn beide Trainingsformen miteinander kombiniert werden. Sensomotorische Übungen verbessern die Ansteuerung der Muskulatur, Krafttraining sorgt dafür, dass diese Muskulatur auch belastbar ist. Ein einfaches Beispiel aus der Praxis: Das wiederholte Aufstehen vom Stuhl. Wird diese Bewegung nur kräftig trainiert, fehlt oft die Kontrolle – besonders bei Ataxie. Wird sie hingegen sensomotorisch begleitet, etwa durch bewusste Gewichtsverlagerung, unterschiedliche Fußstellungen oder visuelle Rückmeldungen, wird die Bewegung sicherer und stabiler. Auch im Gangtraining zeigt sich der Effekt. Variierte Schrittfolgen, wechselnde Untergründe oder das Reagieren auf Signale fördern Wahrnehmung und Koordination, während gleichzeitig die Bein- und Rumpfmuskulatur gekräftigt wird. Das Ergebnis ist nicht nur ein besseres Gangbild, sondern vor allem mehr Sicherheit im Alltag. Mehr als körperliche Effekte Neben den körperlichen Verbesserungen hat das kombinierte Training auch psychologische Auswirkungen. Viele Betroffene entwickeln im Laufe der Zeit eine ausgeprägte Angst vor Bewegung. Jede Unsicherheit wird als potenzielle Gefahr erlebt. Erfolgreiche Trainingserlebnisse – ein sicherer Stand, ein stabiler Schritt, ein kontrollierter Griff – stärken das Vertrauen in den eigenen Körper. Dieses Gefühl von Selbstwirksamkeit ist ein entscheidender Faktor, um aktiv zu bleiben und den Abbauprozess zu verlangsamen. » Stabilität zurückgewinnen Wie sensomotorisches Training und Krafttraining Menschen mit Ataxie und Sarkopenie helfen Martina Ecker I Geschäftsführerin Standpunkt Gesundheit GmbH, AGR-Expertin für Ergonomie und Rückengesundheit und AGR-Fördermitglied Wenn Gehen unsicher wird, Bewegungen „danebengehen“ und selbst alltägliche Handlungen wie Aufstehen oder Greifen zur Herausforderung werden, verlieren viele Betroffene mehr als nur Muskelkraft. Sie verlieren Vertrauen in den eigenen Körper. Besonders Menschen mit Ataxie, einer Störung der Bewegungskoordination, und Sarkopenie, dem alters- oder krankheitsbedingten Muskelabbau, sind davon betroffen. Doch moderne Therapieansätze zeigen: Mit der richtigen Kombination aus Sensomotorikschulung und Krafttraining lässt sich ein Stück Sicherheit und Selbstständigkeit zurückgewinnen.
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