Rückenwelt

22 Gesundheit Schonhaltung: gut oder schlecht? Schonhaltung – hört man nur dieses Wort, könnte man damit etwas Positives verbinden: Der Körper schont sich, versucht sich zu schützen und Kraft zu sparen. Kurzfristig kann das sogar sinnvoll sein. Doch wenn wir über längere Zeit Schonhaltungen einnehmen, kann das genau das Gegenteil bewirken: Der Körper gerät aus dem Gleichgewicht und neue Beschwerden entstehen. Eine Schonhaltung ist eine Veränderung der Körperhaltung, um Schmerzen oder Belastungen zu vermeiden – ganz bewusst oder oft auch unbewusst. Typische Beispiele: • Ist ein Bein verletzt, verlagern wir das Gewicht automatisch auf die andere Seite. • Bei Rückenschmerzen krümmen wir uns nach vorne, um eine schmerzende Stelle zu „entlasten“. Für eine kurze Phase unterstützt das die Regeneration. Problematisch wird es, wenn die Schonhaltung zur Gewohnheit wird. Warum kann eine Schonhaltung auf Dauer schaden? Der Körper arbeitet in einem fein abgestimmten Zusammenspiel aus Muskeln, Gelenken und Faszien. Schonhaltungen bringen dieses System durcheinander: Manche Muskeln müssen dauerhaft mehr leisten, andere „schalten ab“. Die Folge können Verspannungen in Rücken, Nacken oder Schultern sein – ebenso wie Verkürzungen oder Verklebungen. Langfristig steigt das Risiko für chronische Schmerzen. Hinzu kommt: Wer über längere Zeit in einer ungünstigen Haltung bleibt, nutzt Gelenke und Muskulatur nicht mehr im vollen Bewegungsumfang. Dadurch nimmt die Beweglichkeit ab – und die Haltung wird immer schwerer zu korrigieren. Auch die Durchblutung kann in einer dauerhaften Fehlhaltung beeinträchtigt sein. Der Körper wird weniger gut versorgt – und die Regeneration gerät ins Stocken. Gleichzeitig nimmt Bewegung insgesamt ab: Wer sich schont, bewegt sich häufig weniger als nötig. Manchmal passiert noch etwas anderes: Der Körper „lernt“ Schmerzvermeidung. Es kann eine unbewusste Angst entstehen, die Schonhaltung wieder zu verlassen. Dann entwickelt sich aus einer kurzfristigen Schutzreaktion eine dauerhafte Fehlhaltung. Schonhaltung loswerden: Das hilft wirklich 1. Aktiv bleiben statt zu schonen Früher wurde bei Rückenschmerzen oft Ruhe verordnet. Heute weiß man: Bewegung ist ein entscheidender Schlüssel für die Regeneration. Wichtig ist dabei, die Signale des Körpers ernst zu nehmen – Bewegungen sollten möglichst schmerzfrei sein oder nur leicht ziehen. Andreas Sperber, Physiotherapeut und AGR-Experte für Ergonomie und Rückengesundheit, BaiersbronnKlosterreichenbach Ein klassischer Teufelskreis: Aus Angst vor Schmerz nimmt der Körper eine Schonhaltung ein – und verstärkt damit oft die Probleme. „Die nächste Haltung ist immer die beste Haltung”

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