64 AGR aktuell 2026/75 | Aktion Gesunder Rücken e. V. Diese Situation begegnet mir in Unternehmen immer wieder. Mitarbeitende haben bereits an Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung teilgenommen. Sie kennen Übungen, sie haben Informationen erhalten, sie sind sensibilisiert für Haltung, Bewegung und Belastung. Und dennoch bleiben Rückenschmerzen, Verspannungen und Erschöpfung bestehen. Für viele Therapeutinnen und Therapeuten ist dieses Spannungsfeld vertraut: Wissen ist vorhanden – nachhaltige Veränderung jedoch bleibt aus. Das wirft eine zentrale Frage auf: Warum erreichen viele gut konzipierte Programme nicht die langfristige Wirkung, die sich Unternehmen, Krankenkassen und Mitarbeitende wünschen? Eine Mitarbeiterin eines großen Unternehmens sitzt mir in einer ergonomischen Arbeitsplatzberatung gegenüber. Sie wirkt erschöpft, ihre Schultern hängen, der Blick ist müde, ihr Gesicht ist blass. „Ich habe schon so viel ausprobiert, Rückenkurse gemacht. Physiotherapie, wenn ich sie verschrieben bekomme“, sagt sie. „Ich weiß eigentlich, was ich tun müsste. Aber im Alltag schaffe ich es nicht.“ Der Mensch hinter der Gesundheitsförderung Warum individuelle Prävention unverzichtbar ist Vanessa Ingerisch I BdR Stützpunktleiterin Duisburg, Vorstandsmitglied BdR Was betriebliche Gesundheitsförderung leisten kann Die betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) hat in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Angesichts von notwendigen Einsparungen, Fachkräftemangel, steigenden psychischen Belastungen, Digitalisierung und demografischem Wandel wird Gesundheit zunehmend als strategischer Faktor für Unternehmen erkannt. Was Anfang der 2000er Jahre noch als Besonderheit galt, gehört heute in vielen Unternehmen zum festen Bestandteil moderner Personal- und Unternehmenskultur. BGF umfasst sowohl Verhältnisprävention – also gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen – als auch Verhaltensprävention, beispiels-
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