Berichte aus den Verbänden 44 AGR aktuell 2025/74 | Aktion Gesunder Rücken e. V. In der Vergangenheit dienten vor allem die Dornfortsätze der Wirbelkörper als Orientierungspunkte zur Messung der Krümmungswinkel. In den letzten Jahren wurde die Technik weiter verfeinert, sodass die Querfortsätze, die anatomisch näher an den Grund- und Deckplatten der Wirbelkörper liegen, für die Messung verwendet werden. Die Kombination aus normalem Ultraschallbild und dem Positionssensor erlaubt eine dreidimensionale Darstellung der Wirbelsäule. Die Auswertung der Bilder erfolgt durch ein spezielles Verfahren, das „volume projection imaging“ genannt wird. Dabei entsteht eine Abbildung des Wirbelsäulenprofils in der Frontalebene. Das Gerät zeichnet für jeden Wirbelkörper eine Linie ein. Die Untersucherin kann anschließend die Wirbel mit der stärksten Neigung auswählen, und das Gerät berechnet automatisch den entsprechenden Krümmungswinkel. über ein solches Gerät. Trotz vielversprechender Studienergebnisse aus verschiedenen Einrichtungen besteht insgesamt noch eine gewisse Zurückhaltung, das Gerät bereits flächendeckend im klinischen Alltag einzusetzen. Die Kosten für das Gerät und die notwendige Erfahrung in der Messung werden voraussichtlich in naher Zukunft einem Einsatz nur in Versorgungszentren vorbehalten sein. Unsere Erfahrungen in den letzten Jahren lassen uns jedoch optimistisch in die Zukunft blicken, dass strahlungsfreie Messmethoden zu einer signifikanten Reduzierung der kumulativen Strahlendosis in der Therapie der Skoliose führen werden. Hinweis: Da der überwiegende Anteil der Skoliosebetroffenen weiblich ist, haben wir uns entschieden, den Artikel im generischen Femininum zu schreiben. Literatur bei den Verfassern. ' Kontaktinformationen Dr. Omar Zabar, Dr. Christian Hülstrunk Asklepios Katharina-Schroth-Klinik 55566 Bad Sobernheim | Tel.: 06751 874-0 www.asklepios.com/badsobernheim Bundesverband Skoliose-Selbsthilfe e. V. 51491 Overath | Tel.: 02206 9047956 verwaltung@bundesverband-skoliode.de Klinische Studien zur Bestimmung der Validität und Reliabilität zeigten vielversprechende Resultate (Lam et al. 2021, Wu et al. 2020). Die Autoren konnten diese Ergebnisse in ihrer Studie ebenfalls bestätigen (Zimmermann et al. 2025). Dennoch bestehen verschiedene Schwierigkeiten, die einen generellen Einsatz in der Diagnostik der Skoliose erschweren. Mit Ultraschall lassen sich bestimmte Bereiche, wie zum Beispiel eine hochthorakale Skoliose, häufig nicht ausreichend darstellen. Auch bei sehr starken Verkrümmungen oder einer ausgeprägten Verdrehung der Wirbelsäule können deutliche Abweichungen in den Messergebnissen auftreten. Bei kleinen Kindern besteht zudem das Problem, dass der Ultraschallkopf oft zu breit ist, um zwischen den Schulterblättern durchzukommen, was ungenaue Messungen zur Folge haben kann. Bisherige Studien wurden überwiegend bei Kindern und Jugendlichen mit idiopathischer Skoliose durchgeführt. Nach unseren Erfahrungen ist eine Messung der Skoliose bei Erwachsenen nur sehr eingeschränkt möglich. Wie bei allen Ultraschalluntersuchungen hängt die Zuverlässigkeit der Ergebnisse stark von der Erfahrung der Untersuchenden ab. Die Durchführung der Messung ist zwar nicht besonders schwierig, aber damit die Ergebnisse wirklich aussagekräftig und genau sind, braucht es ausreichend Übung und Erfahrung. Derzeit verfügen in Europa nur wenige Zentren Eine detaillierte Auswertung in den seitlichen und in den Querebenen ist bisher nur mit der mitgelieferten Software manuell möglich. Derzeit erfolgt aufgrund des Arbeitsaufwands keine regelmäßige dreidimensionale Messung der Skoliose. Die gesamte Untersuchung mit der Vorbereitung und Positionierung dauert etwa 15 Minuten und kann beliebig oft wiederholt werden, ohne dass dabei eine Strahlenbelastung entsteht.
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