Berichte aus den Verbänden 43 AGR aktuell 2025/74 | Aktion Gesunder Rücken e. V. Wirbelsäule erstellt werden kann. Das Verfahren ist bislang nur in wenigen Zentren verfügbar, und die entstehenden Kosten werden derzeit nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Forscher in der ganzen Welt versuchen schon seit vielen Jahren, alternative strahlungsfreie Messmethoden zu entwickeln, die eine valide und zuverlässige Beurteilung der Wirbelsäulenkrümmung ermöglichen. Trotz dieser Bemühungen ist die radiologische Untersuchung weiterhin der Goldstandard in der Diagnose der Skoliose. MRT – zum Ausschluss möglicher Ursachen einer Skoliose Die Magnetresonanztomografie ermöglicht anhand von Magnetfeldern eine sehr detaillierte Darstellung der Weichteile wie Rückenmark, Nerven, Bandscheiben und Bänder. Dadurch können andere Ursachen für eine Wirbelsäulenverkrümmung, beispielsweise Tumoren, Zysten oder Fehlbildungen, zuverlässig erkannt oder ausgeschlossen werden. Die Untersuchung erfolgt in aller Regel im Liegen. Die Krümmung der Skoliose ist in dieser Position im Vergleich zum Stehen geringer. Dies reduziert die Aussagekraft für die Beurteilung des tatsächlichen Schweregrads der Skoliose. Hinzu kommen längere Untersuchungszeiten, höhere Kosten und eine eingeschränkte Verfügbarkeit – insbesondere sogenannte Upright-MRT-Geräte, die eine Untersuchung im Stehen ermöglichen, gibt es bislang nur an wenigen spezialisierten Zentren. Aus diesen Gründen eignet sich die MRT nicht als Standardmethode für die regelmäßige Verlaufskontrolle der Krümmungswinkel. Ihr größter Nutzen liegt vor allem darin, zusätzliche Veränderungen im Bereich des Rückenmarks oder der Weichteile zu erkennen und die Ursachen einer Skoliose genauer abzuklären. Rasterstereografie – optische Darstellung der Wirbelsäule Viele Zentren verfügen heute über eine Rasterstereografie. Hierbei wird ein Lichtstrahlenmuster auf den Rücken projiziert und die entstehenden Linien optisch erfasst (Schulte et al. 2008). Die Rasterstereografe beruht auf dem Prinzip der Triangulation. Diese Methode ermöglicht eine dreidimensionale Darstellung der Wirbelsäule. Klinische Zeichen der Skoliose wie ein Rippen- oder Lendenbuckel, aber auch Asymmetrien lassen sich objektiv abbilden. Im Rahmen von Verlaufskontrollen erhalten Patientinnen ein objektives Feedback darüber, wie sich die Behandlung nicht nur auf den Krümmungswinkel, sondern auch auf die sichtbaren Auffälligkeiten auswirkt. Dies kann die Motivation zur konsequenten Durchführung der Therapie positiv beeinflussen. Die Raster- stereografie ist beliebig wiederholbar und lässt sich gut in die konservative Therapie integrieren. Eine direkte anatomische Darstellung der gekippten Wirbelkörper ist nicht möglich. Dies beeinträchtigt die valide Messung des Krümmungswinkels im Vergleich zur Röntgenuntersuchung. Studien zeigen, dass die Rasterstereografie das Röntgen nicht vollständig ersetzt, jedoch die Zahl radiologischer Untersuchungen deutlich reduzieren kann (Girdler et al. 2020, Mohokum et al. 2015). Auch in der Forschung wird dieses Verfahren weiterentwickelt, um die Genauigkeit und klinische Aussagekraft weiter zu verbessern. Ultraschall und Scolioscan® – aktuelle Entwicklungen Bereits 1989 beschrieben Suzuki und Kollegen eine Möglichkeit, den Krümmungswinkel der Wirbelsäule mithilfe von Ultraschall strahlungsfrei zu bestimmen (Suzuki et al. 1989). In den letzten Jahren wurden verschiedene Geräte entwickelt, zum Beispiel Scolioscan® (Zheng et al. 2016), Esaote Technos MPX ultrasound unit® (Cheung et al. 2015, Li et al. 2015) und das SonixTablet ultrasound system® (Zheng et al. 2015). Im Folgenden soll die Funktionsweise am Beispiel des Scolioscan® erklärt werden. Beim Scolioscan® steht die Patientin auf einer rutschfesten Matte direkt vor dem Gerät. Damit sie während der Untersuchung ruhig steht, gibt es kleine verstellbare Stäbe, die am Gerät befestigt sind und die Position stabilisieren. Dies verhindert abrupte Lagewechsel der Patientin während der Untersuchung, die die Qualität der Messung beeinträchtigen könnten. Diese Stützen können genau an die Körpergröße und -form angepasst und gespeichert werden, sodass bei späteren Untersuchungen die gleichen Bedingungen vorliegen. Dadurch wird sichergestellt, dass die Messungen zuverlässig und gut vergleichbar sind. Die eigentliche Untersuchung erfolgt mit einer Ultraschallsonde, die die Ärztin oder der Arzt von Hand über den Rücken entlang der Skoliose führt. Diese Sonde arbeitet mit Schallwellen im Bereich von 4 bis 10 Megahertz und erreicht eine Tiefe von bis zu 10 cm. Zusätzlich ist in der Sonde ein kleiner Sensor eingebaut, der ihre genaue Position und Ausrichtung im Raum misst. Der dazugehörige Sender ist seitlich am Gerät angebracht. Am Scolioscan® selbst befinden sich zwei Bildschirme: Der vordere Monitor dient der Untersucherin, um Patientendaten einzugeben und die Untersuchung zu steuern. Der hintere Bildschirm zeigt währenddessen Informationen für die Patientin an. Damit Kopf und Nacken ruhig gehalten werden, soll die Patientin während der Untersuchung auf eine kleine Markierung auf dem Display schauen.
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