Berichte aus den Verbänden 42 AGR aktuell 2025/74 | Aktion Gesunder Rücken e. V. Seitliche Abweichungen mit einem Cobb-Winkel > 10 Grad werden als Skoliose bezeichnet. Der vorliegende Krümmungswinkel definiert die verschiedenen Therapieoptionen und besitzt eine große Bedeutung in der Behandlung der Skoliose. Bei der Messung werden zunächst die oberen und unteren Neutralwirbelkörper der vorliegenden Kurve bestimmt. Sie weisen die stärkste Neigung der Grund- und Deckplatten der Wirbelkörper in der Frontal- ebene auf. Dann wird eine Tangente an den betreffenden Grund- und Deckplatten der Wirbelkörper angelegt, auf diese die Senkrechte gesetzt und anschließend der Winkel zwischen den beiden Senkrechten bestimmt. Skolioserisiko im Jugendalter am höchsten Die Skoliose zeigt jedoch nicht nur Veränderungen in der frontalen Ebene, weshalb zumindest bei der Erstdiagnose auch eine seitliche Aufnahme der Wirbelsäule empfohlen wird (Negrini et al. 2018, DGOU 2018). Während der Wachstumsphase im Adoleszentenalter besteht die größte Gefahr einer Zunahme der Skoliose. Die Entscheidung, ob eine Röntgenuntersuchung erforderlich ist, hängt von mehreren Faktoren ab: dem Schweregrad der Krümmung, dem verbleibenden Wachstums- potenzial sowie den sichtbaren klinischen Veränderungen. Meist wird ein Kontrollintervall von 6 bis 12 Monaten empfohlen (Negrini et al. 2018, DGOU 2018). Röntgenaufnahmen sind in der Wachstumsphase so wichtig, weil sie im Gegensatz zu rein klinischen oder optischen Verfahren eine exakte Darstellung der Wirbelkörper und Krümmungswinkel (Cobb-Winkel) ermöglichen. Nur so lässt sich sicher beurteilen, ob die Skoliose stabil bleibt oder eine Zunahme der Krümmung vorliegt, die eine Anpassung der Therapie – beispielsweise durch Physiotherapie, Korsettbehandlung oder sogar operative Maßnahmen – erforderlich macht. Röntgenaufnahme – Strahlendosis so gering wie möglich halten Die Sorge vor einem erhöhten Risiko für eine Krebserkrankung in der Zukunft ist nicht unbegründet. Verschiedene Studien zeigten, dass Skoliosepatientinnen aufgrund der kumulativen Strahlendosis ein höheres Risiko im Vergleich zur Normalbevölkerung aufweisen (Luan et al. 2020, Ronckers et al. 2010, Simony et al. 2016). Jedoch ist anzumerken, dass sich diese Daten häufig auf radiologische Untersuchungen beziehen, die über 30 Jahre zurückliegen. Zur Reduktion der kumulativen Strahlendosis tragen eine sorgfältige Indikationsstellung, klar definierte Untersuchungsintervalle sowie ein bewusster Umgang mit Strahlenexposition wesentlich bei. Zusätzlich fanden auch Weiterentwicklungen in der Röntgendiagnostik statt, die qualitativ hochwertige Aufnahmen mit einer geringeren Strahlendosis ermöglichen. Des Weiteren führen spezielle Protokolle mit einer verringerten Strahlendosis zu einer deutlichen Dosisreduktion (Cundy 2023). Seit 2008 steht mit dem EOS-System ein Verfahren zur Verfügung, das mit deutlich reduzierter Strahlenbelastung arbeitet und gleichzeitig Aufnahmen der gesamten Wirbelsäule ermöglicht (Dubousset et al. 2005). Ein besonderer Vorteil dieser Technik ist, dass damit stets eine dreidimensionale Darstellung der » Ultraschallgestützte Diagnostik der Wirbelsäulenkrümmung bei Skoliose Messmethoden und neueste Entwicklungen Christian Hülstrunk I Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin Omar Zabar I Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie Die idiopathische Skoliose ist eine strukturelle dreidimensionale Wirbelsäulendeformität, die mit einer Seitabweichung in der frontalen Ebene, mit einer Rotation in der transversalen Ebene und mit Veränderungen im sagittalen Profil einhergeht. Die Seitabweichung in der frontalen Ebene wird anhand des Cobb-Winkels gemessen und definiert den Schweregrad der Skoliose (Cobb 1948). Diese Messmethode wurde von dem amerikanischen Orthopäden John Robert Cobb entwickelt und hat sich zur objektiven Klassifikation weltweit etabliert.
RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ2Mzcy