Berichte aus den Verbänden 39 AGR aktuell 2025/74 | Aktion Gesunder Rücken e. V. Wir müssen dem Sitzen das Gehen beibringen Ein Verbot des Sitzens ist unrealistisch, aber ein Umdenken bei der Stuhl-Sitzergonomie lohnt sich. Es ist keine Lösung, wenn wir das Sitzen noch bequemer machen. Der menschliche Körper ist nicht zum Stillsitzen geboren, sondern gehorcht dem Lebensprinzip Bewegung. Wir können nicht stillsitzen – der Körper hat den Drang zur Bewegung auch während des Sitzens. Wenn der Stuhl nicht auf die Bewegungen reagiert, leisten wir statische Haltearbeit. Es gilt, das „dynamische System“ unseres Körpers anzusprechen, um Stillsitzen zu vermeiden, ohne dabei notwendige Arbeitsprozesse zu behindern. Dabei wird die oft unterschätzte Achse von Gehirn, Nervensystem und Bewegung angesprochen, wie die Neurophysiologie betont, beispielsweise bei Haider Bioswing. Die dynamischen Sitzkonzepte greifen bewusst auf die Steuerung über das Gleichgewichtssystem zurück. Dieser Positionswechsel macht das Sitzen zu einer aktiven Tätigkeit, die die Muskulatur stärkt, die Durchblutung verbessert und die Bandscheiben entlastet. Stillsitzen war das, was uns in der Schule schwerfiel und wir „kippelten” – der eine mehr, der andere weniger. Es gibt weltweit keine Studie, die belegt, dass Lernen im Sitzen am besten funktioniert. Dynamisches Sitzen ist mehr als nur wackeln Dynamisches Sitzen ist das Sitzen auf einem Stuhl mit einem Sitzkonzept, dass die natürliche Bewegung des Menschen im Sitzen durch ein dynamisches Sitzträgersystem ermöglicht. Ein statisches Sitzen ist nicht möglich. Dynamisches Sitzen ist aber mehr als nur wackeln: Es kommt darauf an, „wie“ der Stuhl sich bewegt und die Begründung dazu. Was sind die verschiedenen Möglichkeiten, die Sitzfläche zu bewegen? Die Bewegung im Sitzträger wird mit folgenden Prinzipien erreicht: { Kipp-Prinzip – ähnlich dem „Kippeln“ in der Schule, wobei der Fokus auf dem Finden der jeweils besten oder balanciertesten Sitzhaltung liegt { das Ball-Prinzip mit seinen Varianten { Der Swopper von Aeris nutzt zusätzlich ein positives dynamisches Federelement, das ein Auf- und Abwippen, auch „Swoppen“ genannt, ermöglicht. { andere dynamische Wirkmechanismen arbeiten mit Luftkammern, Federn { kinematische Lösungen wie die MovWingKinematik, die bewusst so konzipiert ist, dass die natürliche Bewegung im Becken wie im Gehen möglich ist { das Pendel-Prinzip – Haider Bioswing » Dynamisches Sitzen – dem Sitzen das Gehen beibringen Reduziert Rückenschmerzen und verbessert die Hirnleistung Michael Schurr I VDSI, Fachbereichsleiter Büroarbeit Der moderne Mensch ist paradox: Wir stehen auf, um uns zu setzen. Sitz-Steh-Dynamik-Konzepte galten einst als vielversprechend, haben aber den gewünschten Effekt – mehr Bewegung durch Aufstehen, um sich zu bewegen – nicht erzielt. Unsere sitzende Lebensweise steht im Widerspruch zum fundamentalen Prinzip der Bewegung. Der DKV-Report 2025 zeigt alarmierende Zahlen: Die durchschnittliche Sitzzeit hat einen neuen Rekordwert von 613 Minuten täglich erreicht, über zehn Stunden im Sitzen. Gegenüber 2015 sitzen wir zwei Stunden länger pro Tag. Wenn es schwer ist, den Sitzanteil zu reduzieren, dann gilt es, dem Sitzen das Gehen beizubringen. Diese Entwicklung macht einen Paradigmenwechsel notwendig. „Stitzen“ statt sitzen! Auf dem halben Weg zwischen Sitzen und Stehen für einen schnelleren Wechsel.
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