Interdisziplinäre Fachbeiträge 32 AGR aktuell 2025/74 | Aktion Gesunder Rücken e. V. In der Embryonalphase sind die Beine über 90 Grad gebeugt, im Laufe der Schwangerschaft wird diese Flexion immer stärker. Durch das Tragen des Babys, besonders wenn es auf der Hüfte der Eltern getragen wird, wird die unerwünschte Streckung der Hüftgelenke aufgehoben. Plagiocephalie Bei der Plagiocephalie handelt es sich um eine meist asymmetrische Abflachung des Kopfes bei Säuglingen, die durch eine einseitige Lagerung des kindlichen Kopfes entstehen kann. Sie ist keine angeborene Fehlbildung, sondern kann sich aufgrund der Positionierung des Babys in den ersten Lebensmonaten entwickeln. Das Tragen des Säuglings kann eine lagerungsbedingte Plagiocephalie vermeiden und die Muskulatur, die den schweren Kopf hält, stärken. Wird der Säugling im Tragetuch müde, legt er den Kopf eventuell einfach an den Oberkörper der tragenden Person und ruht sich aus, wechselt aber hierbei öfter die Seite. Zudem entsteht beim aufrechten Tragen sehr viel weniger Druck auf die Schädelform als beim Liegen. Tragende Eltern profitieren ebenfalls Bisher ging es in diesem Artikel um die positive Entwicklung des Kindes, aber lassen Sie uns auch an die tragenden Eltern denken. Eine Tragehilfe passt nicht jedem gleich, jeder Körper ist anders gebaut, hat eine andere Vorgeschichte, andere Maße, möglicherweise haben die Tragenden auch Beschwerden. Deshalb sollte die Tragehilfe oder das Tragetuch gut an die individuelle Situation der Familien bzw. der Tragenden angepasst werden. Um Rückenproblemen der Eltern vorzubeugen, sollten diese nur Babys vorne vor dem Bauch tragen, die nicht mehr als acht Kilogramm wiegen. Die „liebe Last“ sollte so eng wie möglich an den Oberkörper angepasst und oberhalb des Bauchnabels getragen werden. Gerne kann auch die Tragepositionen gewechselt und es können Hüft- und Rückentragen genutzt werden. Bei korrektem Tragen wird die Muskulatur der Eltern gestärkt, sie gehen sehr viel aufrechter, als dies ohne das Baby der Fall wäre, haben die Hände frei und können zufriedener ihren Alltag bewältigen. Auch das ansonsten häufig erforderliche Hochheben des weinenden Kindes aus dem Bett, dem Laufstall etc. entfällt, ein weiterer Vorteil, denn das Heben belastet den Rücken der Eltern stärker als das korrekte Tragen am Körper. Das Schleppen des Kinderwagens an Treppen oder in den öffentlichen Verkehrsmitteln, der Babyschale oder anderer „Behältnisse“ erübrigt sich ebenfalls. Ausgebildete Trageberatende, die bei der Auswahl und Einstellung von Tuch und Tragehilfe mit Rat und Tat zur Seite stehen, gibt es mittlerweile in vielen Orten. Zur Autorin: Bettina Attenberger ist Ergotherapeutin und Gründerin der Trageschule NRW. Seit über 30 Jahren begleitet sie Eltern und Fachkräfte rund um das Thema „Babytragen“. Mit ihrer Arbeit verbindet sie fundiertes Wissen über frühkindliche Entwicklung mit praktischer Trageerfahrung und setzt sich für gesundes, bindungsorientiertes Tragen im Alltag ein. Literatur bei der Verfasserin. ' Kontaktinformationen trageschule-nrw Bettina Attenberger 40880 Ratingen Tel.: 02102 9434720 webmaster@trageschule-nrw.de www.trageschule-nrw.de Bettina Attenberger
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