Interdisziplinäre Fachbeiträge 28 AGR aktuell 2025/74 | Aktion Gesunder Rücken e. V. » Auf die ersten Jahre kommt es an Kindliche Entwicklung der Haltung und Gestalt Dieter Breithecker I Freelance Consultant, Health Care Concepts and Communication Gerade Kinder im Vorschul- und Grundschulalter weisen entwicklungsbedingt noch eine sehr eingeschränkte Belastungsverträglichkeit des aktiven und passiven Halte- und Bewegungssystems (beispielsweise sehr „weiche“, knorpelhaltige Knochenstruktur bei relativ schwach ausgeprägter Muskulatur) bei gleichzeitig komplexen Entwicklungsprozessen auf. Hier ist eine Übersicht der wichtigsten Phasen: Die ersten ca. vier Lebensjahre Die typische Doppel-S-Form der erwachsenen Wirbelsäule entwickelt sich aus der anfänglich geraden Wirbelsäule des Neugeborenen. Mit dem Anheben des Köpfchens aus der Bauchlage heraus wird die Halswirbelsäule überstreckt – so bildet sich die erste Krümmung (Halslordose). Bei den ersten Sitzversuchen entsteht durch den noch schwachen Halteapparat zunächst ein runder Rücken (großbogige Kyphose). Dieser flacht im Krabbelalter, wenn die Muskulatur langsam kräftiger wird, wieder ab. Durch die lange Sitzphase ist die Hüftbeugemuskulatur verkürzt und es besteht eine straffe Verbindung des Beckenringes mit dem Kreuzbein. Daher entsteht beim ersten Aufrichten in den Stand die Hohlkreuzhaltung im Lendenbereich. Sobald das Kind beginnt, selbstständig zu stehen und zu laufen (um 12–18 Monate), verstärken sich die Krümmungen der Wirbelsäule. Die Entwicklung des Kinderrückens in den ersten ca. zehn bis elf Lebensjahren ist ein wichtiger und dynamischer Prozess, der eng mit der allgemeinen körperlichen und sensoneuromotorischen Entwicklung des Kindes verbunden ist. Diese Reife- und Entwicklungszeit wird als eine besonders sensible und kritische Phase – als ein wichtiges „Zeitfenster“ angesehen –, da sich hier die physiologische Basis für die spätere Gesundheit im Allgemeinen als auch Rückengesundheit konstituiert. Die Brustkyphose (Krümmung der Brustwirbelsäule nach hinten) und die Lendenlordose (die natürliche, nach vorn gerichtete Krümmung der Lendenwirbelsäule) stabilisieren sich und ermöglichen – in Verbindung mit der Entwicklung des Bewegungs- und Gleichgewichtssinns- eine aufrechte Haltung und Fortbewegung. Die Rumpfmuskulatur wird durch das Laufen und die zunehmende Bewegung gestärkt, was die Stabilität des Rückens unterstützt. Das Kind lernt, seine Balance zu halten, was entscheidend für eine gesunde Haltung ist. Vorschulalter bis Anfang Grundschulalter Kinder weisen aber mit Beginn des Vorschulalters ein noch mehr oder weniger starkes Hohlkreuz bei vorgewölbter Bauchwand auf (stark ausgeprägte Hüftbeuger bei noch schwacher Bauchmuskulatur). Entwicklung der Wirbelsäule beim Kind Für Kinder im frühen Vorschulalter ist ein starkes Hohlkreuz typisch.
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