Interdisziplinäre Fachbeiträge 20 AGR aktuell 2025/74 | Aktion Gesunder Rücken e. V. Auch der Leistungsgedanke sollte im Rücken- Yoga keine Rolle spielen. „Höher, weiter, schneller“ ist hier nicht das Gebot der Stunde, sondern vielmehr das Gegenteil. Die Yogapraxis für den Rücken lebt von Entschleunigung, Achtsamkeit und innerem Spüren. Denn unser Rücken leidet nicht nur unter körperlicher Fehl- oder Überlastung, sondern ganz wesentlich auch unter dem Druck, der aus unserem hektischen Alltag entsteht. Stress ist einer der größten Faktoren für Rückenschmerzen: Er äußert sich häufig in Verspannungen im Schulter- Nacken-Bereich, einem verkrampften Kiefer oder Schmerzen im unteren Rücken durch dauerhaftes Sitzen und fehlende Ausgleichsbewegung. Deshalb ist es so wichtig, den Übenden Momente der Ruhe, des bewussten Atmens und der sanften Bewegung zu vermitteln, die als Gegenpol zum „Funktionieren-Müssen“ im Alltag ihre heilsame Wirkung auf die gesamte körperliche und mentale Konstitution entfalten. Ganzheitlich und nachhaltig den gesamten Körper betrachten Um weitere lebensstilbedingte Beschwerden zu vermeiden, die in Wechselwirkung mit unserem Rücken stehen, macht es Sinn, bestimmte Körperbereiche gezielt in den Fokus der Teilnehmenden zu holen. Neben der Wirbelsäule und der Rumpfmuskulatur lohnt es sich, auch solche Körperbereiche zu beleuchten, die erst auf den zweiten Blick mit der Gesundheit des Rückens zu tun haben und dennoch großen Einfluss nehmen. Dazu zählen unsere Füße, Hände, der Kiefer und sogar die Augen. Die Füße tragen uns Tag für Tag durchs Leben. Oft stecken sie in engen Schuhen oder werden schlichtweg übergangen, obwohl sie unser Fundament bilden. Ihre Stabilität, Beweglichkeit und Kraft wirken sich direkt auf die Haltung und somit auch auf die Rückengesundheit aus. Werden sie im RückenYoga gezielt wahrgenommen, gekräftigt oder entspannt, entsteht ein völlig neues Körpergefühl. Gleiches gilt für die Hände: Sie leisten täglich unermüdliche Arbeit, vom Tippen auf der Tastatur bis hin zu feinmotorischen Tätigkeiten. Im Yoga dürfen sie einmal bewusst geöffnet, gedehnt und gelockert werden, wodurch nicht nur die Hände selbst, sondern auch Schultern und Nacken Erleichterung erfahren. 5 Tipps für die Füße 1. Drei-Punkt-Belastung in Standhaltungen beachten 2. Füße bewusst in den Asanas mit einbeziehen 3. Zur Kräftigung auch mal den Zehenstand in den Asanas einbauen 4. Eigenmassage zur Entlastung und Dehnung der Strukturen 5. Fußfaszie mit kleiner Faszienrolle oder Faszienball ausrollen Der Kiefer wiederum ist einer der Hauptspeicher für Alltagsstress. Viele Menschen pressen oder knirschen unbewusst, vor allem nachts, was zu Kopfschmerzen, Nackenverspannungen und sogar Haltungsschäden führen kann. Im Yoga bekommt er die Einladung, loszulassen. Gezielte Übungen und kleine achtsame Korrekturen zur Kieferentspannung können nicht nur im Kurs, sondern auch zu Hause oder im Büro durchgeführt werden – ein wertvoller Beitrag zur Selbstregulation. Selbst unsere Augen spielen eine Rolle: Stundenlanges Starren auf Bildschirme lässt die Augenmuskulatur ermüden, was indirekt zu Verspannungen in Stirn, Schläfen und Nacken führt. Einfache Augenentspannungsübungen im RückenYoga schaffen Entlastung und fördern zugleich Konzentration und innere Ruhe. 5 Tipps für den Kiefer 1. Kaumuskulatur kreisförmig ausmassieren 2. Grimmassen schneiden und Gesichtszüge entspannen 3. Zahnreihen leicht voneinander lösen, Zunge in Ruhelage 4. Mundinnenraum mit der Zungenspitze ausstreichen 5. Schnauben wie ein Pferd Ein wesentlicher Aspekt dieser Praxis ist die Nachhaltigkeit. Es genügt nicht, dass die Teilnehmenden im Kurs Entlastung und ein gutes „Nicht Schnelligkeit oder Leistung zählen im RückenYoga, sondern Entschleunigung, Achtsamkeit und die Resonanz mit dem eigenen Körper.“
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