AGR aktuell Ausgabe 74

Interdisziplinäre Fachbeiträge 19 AGR aktuell 2025/74 | Aktion Gesunder Rücken e. V. Inzwischen hat es sich weit herumgesprochen, dass Yoga wesentlich mehr für die Gesundheit unseres Rückens tun kann, als lediglich die Muskulatur zu kräftigen und zu dehnen. Denn Yoga ist nicht einfach nur ein Gymnastikprogramm. Er ist eine ganzheitliche Praxis, die auf mehreren Ebenen wirkt: körperlich, mental und emotional. Gerade diese Verbindung macht Yoga so wertvoll für Menschen, die unter Rückenschmerzen leiden oder ihre Wirbelsäule langfristig gesund erhalten möchten. Die sanfte, aber zugleich tiefgreifende Wirkweise entsteht durch das Zusammenspiel von Bewegung, Atmung und Achtsamkeit. Mit Blick nach innen Eine zentrale Rolle spielt dabei der Atem (Prana). Er fungiert als Taktgeber der Übungen, fördert die innere Ruhe, indem er den Parasympathikus anspricht, und verleiht den Bewegungen einen natürlichen Rhythmus. Während in vielen Sportarten die äußere Form oder Leistung im Vordergrund steht, richtet Yoga den Blick nach innen. Die äußere Haltung wird stets mit der inneren Haltung in Einklang gebracht – ein Prozess, der das Prinzip des Embodiments in den Vordergrund stellt. Auf diese Weise erfahren wir unmittelbar, wie eng Körper, Geist und Seele miteinander verbunden sind. Der sogenannte RückenYoga baut auf den Grundlagen des klassischen Hatha Yoga auf und kombiniert diese mit physiotherapeutischen Erkenntnissen. Diese Verbindung sorgt dafür, dass die Asanas (Körperhaltungen) nicht unreflektiert übernommen, sondern bewusst ausgewählt und angepasst werden. Gerade bei Beschwerden im Rückenbereich ist es entscheidend, die Wirkung einer Haltung zu prüfen: Entlastet sie? Mobilisiert sie gezielt? Stärkt sie unterstützende Muskulatur? Erst durch diese differenzierte Betrachtung entfaltet Yoga sein volles Potenzial. Yoga passt sich den Bedürfnissen der Menschen an Ebenso wichtig ist die individuelle Anpassung, denn jeder Mensch bringt unterschiedliche Voraussetzungen, Beweglichkeit und Bedürfnisse mit. Deshalb sollte eine lehrende Person stets mehrere Varianten einer Übung kennen, von sanften Einstiegsformen bis hin zu fortgeschrittenen Variationen. Nur so können alle Teilnehmenden dort abgeholt werden, wo sie stehen, und zugleich Überlastungen oder gar Verletzungen vermieden werden. Yoga sollte niemals als starre Schablone verstanden werden, der sich der Übende anpassen muss. Vielmehr geht es darum, die Übungen so zu gestalten, dass sie sich den Menschen anpassen. Leider begegnen mir immer wieder Teilnehmende, die von anderen Kursen berichten, in denen ihnen exakt das Gegenteil vermittelt wurde. Dort werden standardisierte Sequenzen abgespult, unabhängig von den individuellen Voraussetzungen und nicht selten klagen die Teilnehmenden danach über neue oder verstärkte Rückenschmerzen. Kein Wunder, denn wenn der Körper gezwungen wird, in eine Form zu passen, die ihm nicht entspricht, geht der ursprüngliche Sinn von Yoga verloren. Die eigentliche Stärke einer guten Yogalehrerin oder eines guten Yogalehrers liegt deshalb nicht darin, selbst die spektakulärsten Haltungen vorzuführen, sondern darin, die Vielfalt der Übungen zu kennen und deren Anpassungsfähigkeit auszuschöpfen. Wer auf diese Weise lehrt, schenkt den Übenden die Erfahrung, dass Yoga nicht nur den Rücken entlasten und kräftigen kann, sondern auch mehr Leichtigkeit, Bewegungsfreude und innere Gelassenheit in den Alltag bringt. Genau dieser ganzheitliche Ansatz macht RückenYoga zu einer so wertvollen Praxis und zwar nicht nur für die Rückengesundheit, sondern für das gesamte Wohlbefinden. » Yoga und Rückengesundheit Ein ganzheitliches Konzept für einen starken und flexiblen Rücken Monika Alicja Pohl I Physioyoga Akademie, Health- und Businesscoach „Nicht der Übende sollte sich an den Yoga anpassen, sondern wir Kursleitende und Lehrende den Yoga an die Bedürfnisse und Konstitution des Übenden.“

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